Blog Denkmal Dominik
Denkmalschutz mit System. Bestand weiterentwickeln - Vom Befund zum denkmalgerechten Sanierungskonzept. Interview mit Dominik Thoma / Knopp Wassmer Architekten
Dominik, bevor wir ins Gespräch einsteigen, wollen wir den Rahmen setzen. Du hast eine Fortbildung im Denkmalschutz abgeschlossen und mit dem erfolgreichen Abschluss das Zertifikat „Fachplaner im Denkmalschutz“ erworben, und zwar in Weimar. Das ist kein beliebiger Ort. Weimar steht mit Klassik, Bauhaus und Welterbe wie kaum eine andere Stadt für die Frage, wie man historische Substanz bewahrt und gleichzeitig verantwortungsvoll weiterentwickelt. Genau dieses Spannungsfeld begegnet auch vielen Bauherren, wenn aus einem Gebäude ein Projekt wird.
Du arbeitest handwerklich orientiert und praxisnah und hast mit „Münchner Strukturputze“ ein eigenes Buch veröffentlicht. Uns interessiert daher besonders, was du aus der Weimarer Fortbildung konkret in die tägliche Planungspraxis mitnimmst. Warum genau diese Fortbildung, warum Weimar, und was war dein persönlicher Antrieb dafür?
Ich wollte bewusst eine Fortbildung, die Denkmalschutz nicht nur „aus dem Bauch heraus“ behandelt, sondern methodisch und rechtlich sauber aufstellt und gleichzeitig konsequent praxisnah bleibt. In Weimar kommt beides zusammen. Die Bauhaus-Universität steht für den reflektierten Umgang mit Bestand, und die Stadt selbst ist ein starkes Beispiel dafür, wie Erbe, Nutzung und Weiterentwicklung zusammengehen können.
Warum jetzt? Weil die Aufgaben in unseren Projekten komplexer werden. Abstimmungen mit der UDB, energetische Zielkonflikte, mehrere Beteiligte bei WEGs oder kirchlichen Trägern und die Frage der Kostensicherheit im Bestand. Mit dem Abschluss als „Fachplaner im Denkmalschutz“ kann ich diese Themen strukturierter führen, besser begründen und daraus für Bauherren ein belastbares, denkmalgerechtes Sanierungskonzept ableiten.
Du sagst, der größte Gewinn war das Netzwerk. Was bedeutet das in der Praxis?
Es ist ein Sparringsnetzwerk aus Leuten, die ähnliche Fragestellungen haben. Aus Planung, Technik und Analyse. Das hilft nicht als Abkürzung, sondern als Qualitätssicherung. Zweitmeinungen, Erfahrungswerte und manchmal auch die richtige Fachrichtung für eine tiefergehende Untersuchung. Und es wirkt in beide Richtungen. Weil ich selbst unterrichte, muss ich komplexe Themen so herunterbrechen, dass sie auf der Baustelle und im Gremium verständlich bleiben. Genau das hilft Bauherren, weil Entscheidungen früher belastbar werden und Überraschungen seltener teuer werden.
Viele WEGs und Bestandshalter erleben die Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde als Hürde. Wie gehst du heute vor, partnerschaftlich und trotzdem klar argumentierend?
Ich versuche, Diskussionen früh zu entemotionalisieren. Zuerst Substanz und Wertebild sauber verstehen. Dann Varianten entwickeln und begründen. Partnerschaftlich heißt für mich transparent, strukturiert und lösungsorientiert. Argumentationsstark heißt Entscheidungen nachvollziehbar machen. Mit Befund, Zielkonflikten und einem klaren Vorschlag. So entsteht Zusammenarbeit auf Augenhöhe, ohne dass es wie Abhängigkeit wirkt.
Energetische Ziele und Denkmalschutz gelten oft als Widerspruch. Welche Strategie hat sich bewährt?
Ich starte nicht mit einem Maßnahmenkatalog, sondern mit dem Gebäude. Was ist erhaltenswert. Was ist veränderbar. Wo liegen die echten Energieverluste. Daraus entsteht ein Maßnahmenpaket. Oft sind es mehrere kleinere, gut begründete Schritte statt einer großen All in Lösung. Dabei hilft mir der handwerkliche Blick. Wer den Bestand versteht, kann Eingriffe so planen, dass sie funktionieren, reparierbar bleiben und das Erscheinungsbild respektieren. Wichtig ist, dass Komfort, Wirtschaftlichkeit und Genehmigungsfähigkeit gemeinsam gedacht werden.
Im Bestand passiert fast immer Unvorhergesehenes. Was ändert sich durch dein Zusatzwissen, gerade mit Blick auf Kostenkontrolle?